precautionary pause
Die Vorsorgliche Pausedie 2022 von der Bundesregierung gefordert wurde, weil das vorhandene Wissen nicht ausreicht, um schädliche Auswirkungen auf die Tiefsee auszuschließen, wie es das Seerechtsabkommen in Artikel 145 vorschreibt fordert das, was sie sagt: eine Pause, die solange vorsorglichoder fürsorglich dafür sorgt, dass etwas nicht geschädigt oder zerstört wird, das ohne die Pause mit sicherer Sicherheit geschädigt und mit ziemlicher Sicherheit zerstört werden würde, bis man sicher gehen kann, dass es weder geschädigt noch zerstört wird.Also dann konsequenterweise, idealerweise: für immer. Nur: Die deutsche Pause gilt bislang nur für den eigenen kommerziellen Abbau. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hält zwei eigene ISA-Lizenzen, hat rund 175 Millionen Euro in deren Erkundung gesteckt und plant 2027/28 gemeinsam mit dem Start-up Impossible Metals einen Testlauf im Pazifik. Deutsche Fördertechnik wird zudem schon an ein Konsortium vermarktet, das im Roten Meer abbauen will. Vorsorge und Förderinteresse laufen hier Doppeltes Spiel beim Tiefseebergbau / Greenpeaceparallel – mit der einen Hand wird geschützt, während die andere sich darauf vorbereitet, beherzt zuzugreifen.
Tiefseebergbau
Mangan, Nickel, Kupfer, Kobalt – wer auf die Energiewende schaut (und die sich gerade massiv verändernden geopolitischen Prioritäten), weiß, dass wir in den nächsten Jahren von einigen dieser Metalle ziemlich viel brauchen werden. Und jetzt liegen da einfach so auf dem Tiefseeboden so Manganknollen / World Ocean Reviewkartoffelige Dinger herum, in denen diese Metalle drin sind, da sollten wir die doch am besten einfach einsammeln? Das ist die Idee beim Tiefseebergbau, und sie ist maximal keine gute Idee. Warum? Damit kann man viele Seiten füllen – also haben wir das getan und für etwas All you need to know about Deep Sea Mining / DEEPWAVE LongreadDurchblick gesorgt. Hier daher nur ganz kurz ein paar der Gründe: Absehbare Zerstörung des 2016 Hohonu Moana: Exploring Deep Waters off Hawaiʻi / NOAALebensraums in der Tiefsee und damit einhergehender massiver Biodiversitätsverlust. Unabsehbare Konsequenzen in einer Umgebung, die extrem artenreich, extrem wichtig für das Funktionieren mariner Ökosysteme und extrem fragil ist. Und last but not least die andere Geschichte, die die involvierten Unternehmen ihren Investoren erzählen, dass sich Tiefseebergbau nämlich wirtschaftlich bislang nicht rechnet und sich mit großer Wahrscheinlichkeit The false promise of deep-sea mining / Nature nie rechnen wird. Mehrere Firmen sind zuletzt pleite gegangen, Norwegen hat seine eigene Lizenzvergabe auf mindestens 2029 verschoben, Indiens erste Auktion fand keinen einzigen Bieter. Die gute Nachricht: Tiefseebergbau findet noch nicht statt. Vorerst. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit haben wir die Chance, eine Katastrophe zu verhindern, bevor wir in sie hineinschliddern. Haben wir ja schon bei einigem anderen verbockt: Plastik, Artensterben, Klima …
internationale Meeresgewässer
Alles an den Meeren, das nicht zu einem bestimmten Land gehört, gehört allen. Irgendwie logisch,wenn man davon absieht, dass es durchaus Völker gibt, für die es eine merkwürdige Vorstellung ist, dass das Meer überhaupt jemandem “gehören” kann allerdings wird es dann, wenn man genauer hinsieht, kompliziert: Wenn es allen gehört, gehört es jedem Einzelnen, jeder Einzelnen, also dir, mir, uns. Also würde alles, was jemals mit irgendeiner abgebauten Ressource verdient werden würde, allen gehören und müsste gerecht verteilt werden. Und vor allem: Müssten wir, also du und ich, dann nicht gefragt werden, ob wir es überhaupt abgebaut haben wollen? Ja. Wir müssten gefragt werden, ob wir die Tiefsee dem Profit einiger weniger Unternehmen opfern oder sie so unberührt lassen wollen, wie sie ist.
Abbauanträge
Wenn ein Land Tiefseebergbau betreiben will, muss es einen Antrag bei der Internationalen Tiefseebergbaubehörde, ähm sorry, der Internationalen Tiefseebodenbehördekleines Problem dabei: Die UN-Behörde hat eine Doppelrolle, sie soll den Zugriff auf marine mineralische Ressourcen freigeben und gleichzeitig die Natur der Meerestiefe schützen. (International Seabed Authority, International Seabed AuthorityISA) stellen. In komplizierten Entscheidungsprozessen müssten ihre Mitgliedstaaten dann über den Antrag entscheiden. Noch befinden sich diese Prozesse allerdings in der Schwebe, weil es noch keinen - wie vorgeschrieben - gültigen Mining Code gibt, der genau regelt, wie Bergbau betrieben werden darf, ohne die Tiefsee zu schädigen. Wenn wir Glück haben, dauert das so lange, bis auch der letzte Staat erkennt, dass das Ganze Deep sea mining!? Leave my down below alone! / Seas At Riskkeine gute Idee für unseren Planeten ist. Es droht allerdings inzwischen ein weiterer Weg, nachzulesen in unserem Longread zum Thema der diese Prozesse komplett umgeht: Die USA erkennen die ISA nicht in vollem Umfang an und lassen Unternehmen direkt bei der eigenen Behörde NOAA Anträge stellen – auch für Gebiete in internationalen Gewässern, für die eigentlich die ISA zuständig wäre, die unser aller gemeinsames Erbe verwaltet. Das kanadische Unternehmen The Metals Company hat diesen Weg gewählt, sein Antrag gilt seit Mai 2026 als vollständig geprüft, eine Entscheidung wird für Anfang 2027 erwartet. Käme sie damit durch, wäre das die erste kommerzielle Genehmigung für Tiefseebergbau in internationalen Gewässern – jenseits der Vereinten Nationen, so als ob es sie nicht gäbe.
nicht stattfinden
Wir wissen weniger über Die Tiefsee / Onno Großdie Tiefsee als über den Mond. Aber das, was wir wissen, reicht aus, um davon auszugehen, dass wir dort unten durch Bergbau in gigantischem Ausmaß unwiederbringlich Leben und Ökosysteme zerstören werden. Leben und Ökosysteme, die wir vernichten würden, bevor wir sie überhaupt kennenlernen. Falls das als Absurdität Argumente gegen Tiefseebergbau / Forum Umwelt und Entwicklungnicht ausreicht, lässt sich noch hinzufügen: völlig überflüssig. Denn es gibt inzwischen genügend Kritische Rohstoffe: Warum die Tiefsee nicht geopfert werden muss / GreenpeaceStudien, die belegen, dass die Mineralien der Tiefsee für die Energiewende nicht gebraucht werden. Neue Technologien haben es an sich, dass sie sich entwickeln. Das hat zwei Konsequenzen. Die eine: Eine stetig wachsende Zahl von Staaten, inzwischen sind es schon Voices calling for a moratorium / DSCC46, die sich gegen den Tiefseebergbau aussprechen.Sie fordern entweder einen Ban (wie Frankreich), eine Precautionary Pause (wie z.B. Deutschland) oder ein Moratorium, wobei der begrenzte Zeitraum für letzteres idealerweise - wie beim Walfang-Moratorium - unbegrenzt anhält … Außerdem gibt es eine erstaunliche Call for a Halt on Deep Seabed Mining / stopdeepseabedmining.orgListe mit über 60 weltweit führenden Unternehmen - darunter Apple, Google, Philips, Samsung, SAP, BMW, Renault, Scania, Volkswagen, VOLVO - und Banken, die ein globales Moratorium fordern.Ein starkes Statement, das viel zu wenig im öffentlichen Diskurs genutzt wird. Die zweite Konsequenz: Die Tiefseebergbau-Unternehmen verlegen sich auf eine neue Erzählung, die die Ausbeutung des Meeresbodens rechtfertigen soll. Es ist nun nicht mehr das Klima und die Energiewende, die die Rohstoffe der Tiefsee angeblich unentbehrlich machen, es ist die geopolitische Wichtigkeit, sich exklusiven Zugang zu strategischen Ressourcen zu verschaffen. Warum auch diese neue Erzählung gefährlich viele Löcher hat, lest ihr in unserem All you need to know about Deep Sea Mining / DEEPWAVELongread.
Rohstoffwende
Viele der Probleme, die uns gerade von Überforderung über Ratlosigkeit bis zur Verzweiflung treiben, ließen sich angehen, wenn wir es wagten, grundsätzlicher, mutiger, ohne Wenn und Aber über Lösungen nachzudenken. So wie bei einer Neues AK Rohstoffe Forderungspapier: Ressourcen schützen, Zukunft für alle sichern / AK RohstoffeRohstoffwende, die ihren Namen verdientKonkret heißt das: ein Ressourcenschutzgesetz, das den Rohstoffverbrauch pro Kopf gesetzlich deckelt, und eine Kreislaufwirtschaft, die nicht nur auf dem Papier steht. Es gibt genug auf dieser Erde für alle. Nur werfen wir das meiste davon weg.
Was kann ich tun?